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Gorch Fock: Hoher Besuch in der Segelmacherei

29. März 2008  

Der Kommandeur der Gorch Fock, Norbert Schatz, und Landtagspräsident Martin Kayenburg sahen sich die Arbeiten an den neuen Segeln für das Schulschiff an.

Im Gespräch: (von links) Norbert Schatz, Adriano Scherbeitz, Hans-Georg Poch, Martin Kayenburg und Matthias Held.

Glückstadt - Martin Kayenburg war beeindruckt - von der Größe der Segel der "Gorch Fock", die zurzeit in der Segelmacherei Hinsch & Ruhland neu hergestellt werden. Der Landtagspräsident war auf Einladung von Norbert Schatz, dem Kommandanten des Segelschulschiffes, gekommen. Gemeinsam ließen sie sich vom Inhaber Matthias Held in die Geheimnisse der Segelmacherei einweisen.

In der Betriebsstätte am Binnenhafen herrschte Hochbetrieb. An vielen Plätzen wurde an den neuen Segeln gearbeitet, denn sie müssen demnächst fertig sein. Mitte Mai will die "Gorch Fock" wieder im Heimathafen Kiel liegen.

"Das hier ist das Schlagsegel. Es ist 24,5 Meter lang, die Halle ist 25 Meter lang", zeigte Matthias Held dem staunenden Landtagspräsidenten das Großsegel, an dem gerade gearbeitet wurde. Es gäbe aber ein noch größeres, "dann müssen wir die Tür aufmachen", scherzte Held.

"Teilweise wird mit vier Leuten an einem Segel gearbeitet", so Held. Aktuell an einem, das 375 Kilo wiegt. Abends wüssten er und die Mitarbeiter, was sie getan hätten. Das Tuch würde 600 Gramm pro Quadratmeter wiegen. Insgesamt werden für die Segel 2000 Tonnen Tuch verarbeitet.

Norbert Schatz war selbst noch nicht in der Segelmacherei, kennt Matthias Held aber von zahlreichen Arbeiten an Bord. Und selbstverständlich kennt er alle Segel im Detail - seit acht Jahren fährt er auf der "Gorch Fock", seit zwei Jahren als Kommandant. Er nannte auch die Summe, die die Segel die Bundeswehr kosten werden: 360000 Euro. "Wir sind von der Qualität der Segel verwöhnt", sagte Schatz. "Die anderen Großsegler gucken immer ganz sehnsüchtig, wenn sie unsere Segel sehen." Auch Beschläge und Verarbeitung seien Luxus. Dies müsse sein, weil die Segel einer enormen Belastung standhalten müssten.

"Wir sind ein Schulschiff, Sicherheit spielt eine ganz große Rolle." Es gäbe extreme Situationen an Bord - gesegelt werde noch, "wenn andere schon die Maschinen anwerfen". Kein Ring dürfe abgehen, wenn die Männer in der Takelage seien. 300 Auszubildende seien jährlich in drei Etappen an Bord und ständig 80 Mann Stammbesatzung.

"Ende April soll die 'Gorch Fock', die zurzeit in der Werft liegt, fertig sein. Für Mitte Mai haben wir die erste Probefahrt geplant", erklärte der Kommandeur. Am 20. Juni werde in Kiel das 50-jährige Jubiläum der "Gorch Fock" groß gefeiert. Mit dabei sind Vertreter des Landtages, die seit 26 Jahren eine Patenschaft zum Segelschulschiff pflegen.

Und, so verriet er: Im August kommen eine Münze und eine Briefmarke mit der "Gorch Fock" heraus. "Die Erstausgabe wird auf dem Schiff präsentiert."

Mit bei dem Besuch in Glückstadt dabei waren auch die Ehefrau des Kommandeurs, Erika Schatz, der Decksmeister Adriano Scherbeitz und zufällig auch Hans-Georg Poch vom Güteprüfungsamt der Marine. Fotoaufnahmen machte Manfred Ohde. Er bringt zum Jubiläum in Zusammenarbeit mit der Marine ein Buch über das Schiff heraus und plant für den Herbst einen Extra-Bildband. Vor einigen Jahren verfasste er bereits das Buch "Gorch Fock".

Erika und Norbert Schatz nutzten den Besuch auch privat. Sie haben vor 21 Jahren in Glückstadt geheiratet und zwei Jahre lang am Fleth gewohnt. Damals war Schatz Inspektionschef bei der Marine in Glückstadt. Das Ehepaar wollte sich noch einmal die Stadt ansehen. "Sie ist großstädtischer geworden", befand Schatz. Martin Kayenburg pflichtete ihm bei: "Die Stadt ist in den vergangenen Jahren deutlich schöner geworden."

Quelle: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag


Weiße Segel

Die Gorch Fock ist das Wahrzeichen des norddeutschen Seglernachwuchses, jetzt bekommt sie ein neues Gewand. Des Seglers neue Kleider werden von zehn fleißigen Schneidern aus Glückstadt in Doppelbesetzung ­; genäht - ein auftrag, der ganz besonders, aber ...

Quelle: RTL REGIONAL 29.02.08


Glückstadt Zum 50. Geburtstag soll das Schulschiff strahlend schön sein

Neue Segel für die "Gorch Fock"

Ein Traditionsbetrieb in Glückstadt arbeitet seit 50 Jahren für den Dreimaster.

Von Claudia Eicke-Diekmann

Die Gorch Fock unter Segeln - ein majestätisches Bild. Foto: dpaGlückstadt - Das sieht nach Schwerstarbeit aus. Und hört sich auch so an. Torsten Janke ächzt, wenn er mit beiden Händen die zehn Zentimeter lange Nadel langsam durch Leder und Segeltuch drückt. Ein paar Meter weiter hieven die Kollegen Uwe Schikora und Dennis Westphal schnaufend das gut 60 Kilo schwere Vorobermars-Segel zur Nähmaschine. Chef Matthias Held hat es nicht leichter als seine Leute. Der Segelmachermeister und Inhaber der Firma Hinsch & Ruhland in Glückstadt bringt mit schweren Hammerschlägen einen Metallring am Besantop-Segel an.

Hinsch & Ruhland ist das, was man eine "kleine Klitsche" nennt: 300 000 Euro Umsatz pro anno. Übers Jahr arbeiten hier inklusive Boss und dessen Ehefrau fünf bis sieben Segelmacher und Näherinnen. Zurzeit gibt es in dem Minibetrieb gleich hinterm Elbdeich allerdings Arbeit für zehn. Die Bundesmarine hat einen Satz neuer Segel für das Schulschiff "Gorch Fock" bei Hinsch & Ruhland geordert. Die 23 Einzelsegel müssen bis zum 18. April fertig sein. Im Mai nimmt der majestätische Dreimaster, der gerade in Elsfleth an der Weser in der Werft ist, Kurs auf seinen Heimathafen Kiel. Dort feiert die 1958 vom Stapel gelaufene Bark im Rahmen der Kieler Woche ihren 50. Geburtstag. Vier Paraden stehen auf dem Jubiläumsjahr-Programm. "Da darf die ,Gorch Fock' natürlich nicht als Flickenteppich einlaufen", sagt Held.

So ein Auftrag verdoppelt mal eben den Jahresumsatz. Für Firmenchef Matthias Held ist das Routine und Herausforderung zugleich. Vor 13 Jahren kaufte der heute 41-Jährige seinen Ausbildungsbetrieb, die Yachtsegelmacherei Hinsch & Ruhland. Windjammer zählen zu den Spezialgebieten der Firma. So stammen die grünen Segel der "Alexander von Humbold" - aus der Bierwerbung als das "Beck's-Schiff" bekannt - aus Glückstadt. Die ,Gorch-Fock'-Segel wurden von Anfang an in dem Kleinbetrieb gefertigt. Alle fünf Jahre wird einer der drei Segelsätze des Schulschiffes erneuert, bis heute von Hinsch & Ruhland. Und jedes Mal ist es ein Wettlauf gegen die Zeit.

"In diesem Jahr kam der Auftrag im Dezember", sagt Held. "Ende Januar konnten wir loslegen." Bis Mitte April muss alles fix und fertig und vom Prüfdienst der Marine abgenommen worden sein. Das bedeutet für jeden in Helds Mannschaft: zwölf Stunden Arbeit täglich, sechs Tage in der Woche. Sämtliche Segel vom 48 Quadratmeter Besanbramstag-Segel bis zum 199 Quadratmeter großen Großsegel sind handgearbeitet.

"Wir fangen immer mit dem kleinsten Stück an", sagt Held. Das Zuschneiden und das Nähen von Leder und schwerem Tuch seien sehr anstrengend für Sehnen und Gelenke. "Wenn wir gleich mit den großen Teilen loslegen würden, hätte ich nach einer Woche drei Krankmeldungen wegen Sehnenscheidenentzündung auf dem Schreibtisch." Mit der Arbeit an den kleinen Segeln ließe es sich gut "warm arbeiten".

Die einzige Maschine, die in der Segelmacherei bei der Arbeit für die ,Gorch-Fock'-Segel zum Einsatz kommt, ist eine alte Industrie-Nähmaschine. Und deren Geratter wird in der Halle meist von Zurufen und dem Gelächter der Mitarbeiter übertönt oder vom Radio in der Ecke.

Matthias Held zweifelt nicht daran, den Prestigeauftrag bestens zu bewältigen, auch wenn die Zeit knapp ist: "Ich kann mich auf meine Leute hundertprozentig verlassen. Wenn es viel Arbeit gibt, dann arbeiten die auch viel." Schließlich hat es in den vergangenen 50 Jahren immer geklappt. Dass eine andere Firma ihm den Dauerauftrag abluchsen könnte, fürchtet der Segelmachermeister nicht. "Das ist schon eine sehr spezielle Arbeit", sagt er. "Ich will ja nicht arrogant klingen. Aber wer sich das Ding an die Backe bindet, krieg garantiert Kummer. So was schafft man nur mit einem halben Jahrhundert Erfahrung!"

erschienen am 8. Februar 2008

Quelle: Hamburger Abendblatt


Neue Segel aus Glückstadt für die Gorch Fock

31. Januar 2008 | 01:55 Uhr

4000 Meter Tuch für 23neue Segel. In der Glückstädter Segelmacherei herrscht zurzeit Hochbetrieb.

Uwe Schikora zieht die Bahnen, während Matthias Held näht. Reimers (3)/dpa(1) Aushängeschild der Marine: die Gorch Fock. Anja Kühl verspleißt die Tauenden. Dennis Westphal umwickelt die Enden.

Glückstadt - Langsam rattert die Nadel über das Tuch. Matthias Held näht konzentriert. Der Segelmachermeister arbeitet an einem besonderen Auftrag. Er fertigt neue Segel für die "Gorch Fock" der Bundesmarine. 4000 Meter Tuch werden für 23 Segel benötigt. Das Auftragsvolumen beträgt 300000 Euro.

Held ist stolz, dass er den Auftrag wieder einmal bekommen hat. "Es ist eine spezielle Arbeit, weil es viel Handarbeit ist." 5000 Stunden, rechnet Held, werden zehn Mitarbeiter brauchen, um die Segel zu fertigen. Die Glückstädter Segelmacherei "Hinsch&Ruhland" , deren Inhaber Held ist, fertigt die Segel nun schon seit 50 Jahren für das Segelschulschiff. "Früher wurden sie noch per Hand genäht", erzählt der 41-Jährige. "Heute haben wir Nähmaschinen."

Trotzdem ist die Arbeit nicht leicht. An diesem Tag näht er am kleinsten Segel, das immerhin schon 56 Quadratmeter groß ist. Sein Mitarbeiter Uwe Schikora hilft ihm, indem er das etwas sperrige Tuch aus Polyester hält. Immer wieder zieht er es stramm, damit Held weiter nähen kann. Denn die Bahnen sind lang. "Ich glaube ich arbeitet zu schnell, das kann die Maschine nicht ab", wirft Held ein. Er muss einen neuen Faden einlegen - auch dieser ist aus Polyester. Am anderen Ende der Segelmacherei rattert ebenfalls eine Maschine, dort näht Monika Janke (37) die Bahnen zusammen. Die Stimmung ist gut. Trotz der konzentrierten Arbeit wird zwischendurch auch mal ein Scherz gemacht.

Anja Kühl (20) ist bereits dabei, die Enden vom Tauwerk zu verspleißen. Sie brennt die Enden ab, "damit sie richtig zusammensitzen". Neben ihr sitzt Dennis Westphal (18) auf einer Bank. Der Geselle hat einen Draht in der Hand, den er um ein Stück Leder dreht. Es ist ein Teil der Schotecke. "Sie muss mehrere Tonnen Gewicht aushalten können. Sie muss Druck abkönnen", erklärt der Segelmacher während er immer wieder zur Zange greift, um den Draht besser biegen und dann stramm ziehen zu können. Eine Ecke, die "komplett mit der Hand genäht" wurde. Gefragt ist bei dieser Arbeit viel Technik und auch Kraft.

Um die 4000 Meter Tuch als Bahnen zuschneiden zu können, musste Held in die ehemalige Turnhalle der Bürgerschule ausweichen. "Früher konnten wir die Sporthalle der Bundeswehr nutzen." Unterstützung bei dieser Arbeit hatte er von Segelmacher Christoph Fildbrandt (29). Denn die längste Bahn ist 15 Meter lang. "Ein Profi", sagt Held über seinen selbstständigen Kollegen aus Mecklenburg-Vorpommern. Fildbrandt hat bei ihm gelernt und kommt jetzt, wenn Hilfe benötigt wird.

"Wir arbeiten zwölf Stunden am Tag", sagt Held. Alleine für das Zuschneiden haben beide vier Tage gebraucht. "Wir müssen bis zum 30. April fertig sein, deshalb wird in der kommenden Zeit in zwei Schichten gearbeitet."

Matthias Held hat bei Hinsch&Ruhland den Beruf des Segelmachers von der Pike auf gelernt. Und damit auch das alte Handwerk, für das die Firma bekannt ist. Seine Bundeswehrzeit verbrachte er auf der Gorck Fock.

Quelle: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag


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